Obwohl die Wechseljahre einen natürlichen Teil des Lebens jeder Frau darstellen, gibt es nach wie vor große Wissenslücken – sowohl in der Allgemeinbevölkerung als auch in der medizinischen Forschung. Die Univ.-Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin in Innsbruck arbeitet daran, diese Lücken zu schließen und Frauen eine fundierte Orientierung in dieser Lebensphase zu bieten.
Ein weit verbreitetes Missverständnis
Viele Frauen glauben, dass die Wechseljahre erst mit etwa 60 Jahren beginnen. Tatsächlich tritt die Menopause in Österreich im Durchschnitt bereits mit 49 Jahren ein. Die Beschwerden wie Zyklusunregelmäßigkeiten, Hitzewallungen oder Schlafstörungen beginnen jedoch oft schon vier bis fünf Jahre vorher. „Fairerweise muss man sagen, dass Frauen eher zur Symptomnegierung neigen oder sich die Beschwerden selbst nicht erklären können“, sagt Bettina Toth, Direktorin der Innsbrucker Klinik. „In Österreich leben derzeit etwa eine Million Frauen in der (Peri-)Menopause. Gemäß internationalen Studien weisen etwa 80 Prozent dieser Frauen Beschwerden auf.“

Frühzeitige Aufklärung ist entscheidend
Frühe und umfassende Informationen über die weibliche Gesundheit sind nicht nur für die Lebensqualität entscheidend, sondern auch für die langfristige Vorsorge. „Eine frühe und umfassende Aufklärung über reproduktive Gesundheit ist entscheidend, um spätere Gesundheitsrisiken zu minimieren“, betont Bettina Böttcher, Oberärztin der Univ.-Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Sie ist außerdem Mitglied im Zürcher Kreis, einem Expertennetzwerk aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, das Leitlinien und Empfehlungen zur Hormontherapie in den Wechseljahren erarbeitet. „Es gibt Risiken, die man aus der Schwangerschaft bis ins hohe Alter mitträgt. Die muss man früh erkennen.“
Bestimmte Gefäßveränderungen, Bluthochdruck oder Diabetes während der Schwangerschaft erhöhen beispielsweise das Risiko massiv, nach der Menopause kardiovaskuläre Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall oder Altersdiabetes (Risiko bis zu 70 %) zu entwickeln.
Forschung für neue Therapieansätze
Die Innsbrucker Klinik treibt die Wechseljahresforschung auf mehreren Ebenen voran. In internationalen Studien wurden beispielsweise nicht-hormonelle Wirkstoffe untersucht, die gezielt Hitzewallungen und Schlafprobleme lindern, ohne direkt in den Hormonhaushalt einzugreifen. Ein aktueller Ansatz adressiert dabei Neurokinin-Rezeptoren im Gehirn, die für Temperatur- und Schlafregulation verantwortlich sind.
„Da tut sich gerade sehr viel in der Forschung“, erklärt Bettina Toth. „In früheren Studien mit Kindern, die nicht in die Pubertät gekommen sind, fand man heraus, dass der Neurokinin-Rezeptor eine große Rolle spielt und dass dieser ein Areal betrifft, das auch für die Temperaturregulation zuständig ist. Bei weiteren Untersuchungen sah man dann, dass dieses Areal bei Frauen nach der Menopause vergrößert
Darüber hinaus arbeiten die Forschenden an Biomarkern, die den Beginn der Wechseljahre frühzeitig vorhersagen könnten. Ein vielversprechender Kandidat ist ein Protein, das nach Klotho, der griechischen Göttin des Alterns, benannt wurde. Für die Studie genügt eine einfache Blutabnahme, und interessierte Frauen können so aktiv an der Forschung teilnehmen.
Frauengesundheit in jeder Lebensphase
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Schutzfunktion für Keimzellen bei medizinischen Behandlungen wie Chemotherapie oder Strahlentherapie. Die Klinik untersucht die Toxizität solcher Therapien auf die Eizellen und entwickelt Strategien, um die Fruchtbarkeit zu erhalten.
Zudem engagiert sich die Klinik für wissenschaftlich fundierte Aufklärung, die auch über die medizinische Fachwelt hinausgeht. Gemeinsam mit dem Land Tirol wurde ein elektronisches Gesundheitsbildungsprogramm entwickelt, das Schülerinnen ab dem Sommersemester vermittelt wird. Ziel ist es, bereits junge Frauen über reproduktive Gesundheit und die langfristigen Folgen hormoneller Veränderungen zu informieren.
Expertise gegen Social-Media-Mythen
Neben der Forschung setzt die Klinik auch auf kompetente Kommunikation: Insbesondere in den sozialen Medien kursieren häufig ungenaue oder irreführende Informationen über die Wechseljahre, während fachliche Expertise unterrepräsentiert ist. „Wir sehen eine enorme Zunahme vermeintlicher Expertinnen und Experten ohne medizinische Ausbildung, während die tatsächlichen Fachärztinnen und -ärzte unterrepräsentiert sind“, beobachtet Bettina Toth kritisch. „Dem wollen wir mit fundierter Wissenschaft und evidenzbasierter Aufklärung entgegenwirken.“
Denn die Wechseljahre sind ein zentraler Abschnitt im Lebensverlauf jeder Frau – mit direkten Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden. Dank der Arbeit der Univ.-Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin in Innsbruck rücken Forschung, frühe Aufklärung und neue Therapieansätze stärker ins öffentliche Bewusstsein. Es bleibt jedoch viel zu tun: Die Forschung zur Menopause bleibt auch weiterhin intensiv ausbaufähig, und die Erkenntnisse müssen noch weitaus breiter als bisher in der medizinischen Praxis und in der Bevölkerung ankommen.

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